Freie und Open Source Software für die Arztpraxis

Ich darf an dieser Stelle darauf verweisen, dass es seit geraumer Zeit auch Initiativen gibt, die - ähnlich dem Linux Projekt - eine völlig freie und für jedermann kostenlos zugängliche Software für medizinische Zwecke erstellen wollen.

Diese Projekte werden bearbeitet von Entwicklern vieler Länder, die über das Internet miteinander kommunizieren. Alleine dadurch sind von vornherein Kommunikationsfähigkeit und Internationalisierung der Software essentielle Aspekte des Entwicklungsprozesses.

Im Wesentlichen gibt es momentan zwei Strömungen oder Projektgruppen: Die eine möchte möglichst praxisnah von klein auf beginnen und dann Schritt für Schritt durch Anpassungen eine größere Software erstellen. Das ist ein in der Open Source Gemeinde bewährtes Konzept; es wird viel ausprobiert und wieder verworfen, bis sich schließlich eine ausgereifte Lösung einstellt.

In der anderen Strömung versuchen die Entwickler, modernste Konzepte und Technologien einzusetzen und somit eine Software zu entwickeln, die vom Krankenhaus-Informations-System bis zum kleinen Praxisprogramm alles sein kann. Der Nachteil ist eine längere Vorlaufzeit, bis ein einsatzfähiger Prototyp bereit steht. Der Vorteil ist, ein von Grund auf durchdachtes Konzept zu haben, welches es ermöglicht, die Software bis ins Kleinste anzupassen. Diese modernen Technologien werden noch kaum in kommerziellen Programmen verwendet, da die Entwicklungskapazitäten der Firmen auch beschränkt sind.

Welche Strömung auch immer zuerst zu einem akzeptablen Medizinprogramm führt - die Entwickler tauschen auch untereinander Informationen aus, stellen sich Programmcode-Fragmente zur Verfügung und suchen in Internet-Diskussions-Foren gemeinsam nach Lösungen. Es ist sogar höchst wahrscheinlich, dass in einigen Monaten oder Jahren eine Verschmelzung stattfinden wird, wie es schon mehrfach in der Linuxgemeinde vorgekommen ist.

In der Zukunft werden es die kommerziellen Anbieter sehr schwer haben, sich auf dem Markt zu behaupten. Keine Firma kann mit ihrer Entwicklungsabteilung wirklich auf Dauer das Gleiche leisten wie tausende von weltweit arbeitenden Enthusiasten.

Letztere haben einfach bessere Voraussetzungen. Durch den für jedermann zugänglichen Programmquelltext können Fehler binnen Stunden behoben, Sicherheitslücken binnen Tagen geschlossen und Anwenderhinweise binnen Wochen in einer Folgeversion berücksichtigt werden.

Auch bei Anwendern setzt sich die Einsicht immer mehr durch, dass es nur logisch sein kann, nicht kommerzielle Software mit geschlossenen Quellen wie eine Katze im Sack zu kaufen, sondern auf tausendfach bewährte und getestete, freie Software zu setzen.

Mehr Informationen zu Free and Open Source Software (FOSS) für die Medizin sind zu finden unter: